Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, einen Rückblick zu geben. Es ist einfach so unglaublich viel passiert in diesem Jahr. So viele Ereignisse, dass ich kaum glauben kann, dass es nur ein Jahr war. Mit 400$ bin ich vor einem Jahr zusammen mit Martin losgezogen und habe davon gelebt. Los ging der Trip auf Vancouver Island, wo wir hauptsächlich bei Bekannten von Martin unterkamen, aber hin und wieder auch einfach gezeltet oder im Hostel geschlafen haben. Auf der Insel hatten wir auch gleich unsere erste Wildtierbegegnung mit einem Schwarzbär und einem Puma mitten im Dschungel. Außerdem hatten wir die Gelegenheit, auf einen kurzen Segeltrip zu gehen, weil wir Al, einem Bekannten von Martin, sein Boot gewachst haben. Noch eine super Zeit hatten wir dann in Tofino, wo wir uns gefühlt haben, wie in Klein-Deutschland. Von Vancouver Island ging es zur Rainer Farm, wo wir nicht nur gearbeitet haben, sondern auch jede Menge Spaß hatten und viel gelernt haben. Wochenendausflüge von der Farm aus waren ohne Frage auch Highlights, die den Aufenthalt auf der Farm noch besser machten. Ich erinnere an die Mördertour Mount Robson, unser Ausflug mit den Quads auf Baldy hoch oder, als wir in Barriere Wasserski fahren waren. Irgendwann zog es uns dann aber doch weiter zur nächsten Farm - das krasse Gegenstück. Wo bei den Rainers alles motorisiert war und so weiter, sind wir bei den Poffenroth’s noch mit den Pferden raus geritten, um Bullen von Kühen zu trennen. Auch hier war es eine super Erfahrung und jede Menge Spaß. Anfang September trennten sich dann unsere Wege, als Martin zurück zu den Rainers ist und ich mich mit meinen Eltern getroffen habe, um in den Rocky Mountains auf Tour zu gehen. Ein unvergesslicher Trip 2 Wochen mit dem Wohnmobil. Ende September habe ich mich dann mit dem auf den Farmen verdienten Geld auf die Reise gemacht. Schließlich war ich nicht nur zum Arbeiten, sondern auch und vor allem zum Reisen hier. Meine Reise führte von Calgary nach Winnipeg und weiter Toronto - mit dem Bus. Eine Erfahrung, bei der ich mir nicht ganz sicher bin, ob man sie gemacht haben muss. Da ich in Toronto noch keinen Schlafplatz wusste, bin ich zu einem Hippie mit, den ich im Bus kennen gelernt hatte und hab bei ihm und seinen Freunden auf einer organischen Farm ein wenig ausserhalb ein paar Tage verbracht. Das wiederum war eine ziemlich verrückte Erfahrung. Nach ein paar Tagen in Toronto und einem Tagesausflug an die Niagara Fälle fuhr ich weiter nach Ottawa, wo ich Friederike kennen lernte, mit der ich für ein paar Tage ohne Zelt in den Algonquin Park gefahren bin, wo ich so nah an einem Bär war, wie nie zuvor - und hoffentlich auch nie wieder. Nachts wurden wir geweckt, als er nur noch eine Armlänge von uns weg war. Weiter ging es in den Osten. Von Montreal nach Quebec und dann mit dem Zug nach Halifax. Und wo ich schonmal da war… ging es auch bald weiter nach Neufundland - per Anhalter. Pünktlich zu Halloween traf ich in St. John’s ein und blieb dann 3 Wochen auf dem Fels. Fortbewegt habe ich mich nur per Anhalter, was dort auch sehr leicht ist, weil die Newfies einfach das freundlichste Volk sind, das man sich vorstellen kann. Man kann es gar nicht beschreiben, wie es dort abgeht, das muss man einfach erlebt haben. Wieder von Neufundland nach Montreal bin ich den ganzen Weg getrampt, habe allerdings unterwegs noch einmal einen dreiwöchigen Stopp auf Prince Edward Island eingelegt, wo mir das unwahrscheinlichste passiert ist, was passieren kann. Leute, die mich vom Straßenrand mitgenommen haben, waren zufällig Farmer und haben mir einen Job gegeben. Passte mir perfekt in den Kram! Auf meinem Rückweg nach Montreal habe ich noch ein paar Stopps in New Brunswick gemacht, das ich ja auf meinem Weg nach Osten übersprungen hatte und war unter anderem unten bei den Hopewell Rocks. Weihnachten, Neujahr und meinen Geburtstag habe ich in Montreal mit der Couchsurfing Community gefeiert, die in Montreal echt sehr lebhaft ist. Jeden Tag war was los: Von Abenden im Pub, über Bergwandertouren bei -30°C und Schnee zu Hauspartys. Es wurde nie langweilig. Gewohnt habe ich die ganze Zeit bei Pascale, die mir einfach ihr Haus überließ, sogar, als sie für 2 Wochen weg war. Ursprünglich geplant war, dass ich ab Montreal wieder zurück fliege,aber ich wollte dann nicht noch 2 Monate dort rumhängen, sondern zurück in die Rockies und Ski fahren. Gesagt, getan, eine Mitfahrgelegenheit war bald gefunden - das mit dem Bus wollte ich mir nicht nochmal geben. Ski fahren war ich dann in Golden, Banff, Lake Louise und Jasper. Die Orte habe ich jeweils per Anhalter erreicht. Als abzusehen war, dass ich nicht genug Geld hatte, um 2 Monate Ski zu fahren, habe ich noch einen anderen Traum wahr werden lassen und bin in den Yukon getrampt. Die Leute erklärten mich für verrückt, im Winter alleine solche Distanzen per Anhalter zurückzulegen, aber ich hatte schon so viel Glück, dass ich mich einfach darauf verlassen habe, dass es schon irgendwie klappt - zu Recht. Schon am ersten Tag in Whitehorse konnte ich Nordlichter sehen, was schon ewig auf meiner Liste steht. In Dawson dann konnte ich sie fast jeden Tag sehen. Auch hier, ganz im Westen, sind die Menschen besonders freundlich und hilfsbereit, ähnlich, wie die Newfies. Und auch hier war ich so ziemlich der einzige Tourist, was allerdings ein großer Vorteil war, weil ich einen Haufen Einheimische kennen lernte und mitgenommen wurde auf ein Hundeschlittentour, Skitouren mit den Hunden, eine Schneemobiltour und noch einiges mehr. Ich bin froh, dass ich meinen Rückflug nicht mehr ab Montreal hatte, sonst wäre das alles wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Auf meinem Weg nach Süden habe ich noch einen Überraschungsbesuch bei den Rainers eingelegt und dachte, ich würde Martin treffen, der aber leider für ein paar Tage in Vancouver war. Trotzdem war es schön, die Leute wieder zu sehen. Als Martin wieder da war, sind wir noch die letzten Tage auf einen Roadtrip im Okanagan Valley und dann Ski fahren gegangen und dann war das Jahr auch schon vorbei.
Insgesamt war ich weniger als 2 Wochen in Hostels. Hauptsächlich bin ich bei Couchsurfern untergekommen, oder Bekannten von den Leuten auf der Farm oder Bekannten von Bekannten und so weiter. Ein paar Mal habe ich auch bei Leuten die Nacht verbracht, die mich beim Trampen mitgenommen haben oder in Trucks geschlafen. Für Unterkunft gingen nur 5% meiner Ausgaben drauf. Mit 34% machte Unterhaltung den größten Anteil aus, gleich gefolgt von Ausrüstung (27%) und Fortbewegung (26%). Essen fiel mit 5% ähnlich gering aus, wie die sonstigen Ausgaben (3%). Finanziell ging der Trip ziemlich genau mit einer schwarzen 0 auf, es hat also perfekt gepasst. 4 Monate arbeiten, 8 Monate reisen. Couchsurfing, per Anhalter fahren und eine ordentliche Portion Glück machen’s möglich. Ich bin echt allen Leuten dankbar, die mir diesen Trip über Tausende von Kilometern ermöglicht haben. Es war eine super Zeit!